Rhein-Zeitung vom 10.12.2016,
Seite 18 / Lokal / Lokal-K
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Robby Gebhardt
mumifiziert Dinge

Kunst Ausstellung “ Zeitgebunden“  zeigt Lebenserinnerungen des 79-Jährigen
Von unserer Mitarbeiterin
Petra Ochs
 
Remagen. Erst spät ist Robby Gebhardt aus Windeck an der Sieg zur Kunst gekommen. Trotzdem hat der heute 79-Jährige seine ganz eigene künstlerische Sprache entwickelt: Er konserviert Erinnerungen als reale Spuren des Lebens, indem er sie in Verbindung mit sakralen Themen mumifiziert oder symbolhaft reduziert. “ Zeitgebunden“  ist Titel seiner sehr sehenswerten Ausstellung, die derzeit im Modern Art Showroom (M.A.SH.) in Remagen zu sehen ist.
“ Zeitgebunden“  trifft es recht gut, denn jede von Robby Gebhardts Arbeiten ist Ausdruck eines bestimmten Abschnitts in seinem Leben. Bei der Installation “ Abendmahl“  ist es die Flucht aus Polen, die Gebhardt 1945 als Achtjähriger miterleben musste. Wie er seine Erinnerungen zu einem Kunstwerk reduziert, ist ebenso bemerkenswert wie abstrakt: Einen großen Holztrog, Molle genannt, hat Gebhardt auf zwei weiße Podeste “ aufgebockt“ ; rostige Gewindestangen halten darüber ein weißes Metallkreuz in der Waage, das seinerseits als Behältnis für Rotwein dient. Mehrere Liter lieblichen Dornfelder hat Gebhardt in dem Kreuz versenkt, der Ausstellungsraum ist erfüllt vom Duft des Weins.
„Der Wein ist ein Symbol für Blut und Leben“ , erklärt Gebhardt. Und auch die Molle ist symbolgeladen. Der aus einem einzigen Stück Holz geschnitzte Trog steht für ihn für nichts weniger als Leben und Tot: Er kann Wiege und 
Sarg sein. Die Molle ist der Trog, in dem beim Schlachten das Blut des Schweins aufgefangen wird, aber sie ist auch das Behältnis, in dem der Brotteig reift. Das Brot als Symbol des Lebens bringt Robby Gebhardt auch bei anderen seiner Arbeiten zum Einsatz. Mit Mullbinden umwickelt und auf diese Weise “ mumifiziert“  hat er es in einer Backmolle auf Ursalz gebettet; an anderer Stelle ist es ein Baguettebrot, das er mit Mullbinden, Farbe und Leim zu einer “ Mumienplastik“  und mit vier rostigen Eisenstangen durchbohrt zum skurrilen “ Brotkreuz“  werden ließ.
Für seine Bildtafel “ Konservierte Lebenswege“  hat Gebhardt Erinnerungen in Form von Fotos, Texten und sonstigen Dokumenten auf der Leinwand angeordnet. Doch zu sehen ist davon nichts mehr. Grund: Der Künstler hat sein Werk verhüllt, ja mehr noch: Schicht um Schicht hat er die Bildtafel in einem langen Prozess mit schwarzen Mullbinden und Leim umwickelt. Während die Erinnerungen fest umschlossen, quasi abgeschlossen und nicht mehr erreichbar sind, hat das “ mumifizierte“  Bild durch die Strukturen, Farbnuancen und den feinen Glanz eine ganz eigene Ästhetik.
Schon in mehreren Kirchen ausgestellt war Gebhardts “ Schweigendes Buch“ : Eine große, aufgeschlagene Bibel, die der Künstler auf seine eigene Art mumifizierte –  an welcher Stelle sie aufgeschlagen war, weiß nur er. Fundstücke von der Insel Amrum kombinierte Robby Gebhardt zum “ Knochenkreuz“ : Zwei zum Kreuz gelegte Knochen stehen auf einem Podest aus mumifizierten Holz, das an einer ebenfalls mumifizierten grünen Leinwand angebracht ist.
Ästhetisch und sehr reduziert kommt auch die Installation “ Abschiedsbriefe“  daher, bei der Robby Gebhardt in fünf mit Sand gefüllten Keramikschalen handgeschriebene Abschiedsbriefe gelegt hat.